Gemäß der heutigen Berichterstattung in der Leipziger Volkszeitung droht bei der künftigen Nutzung des City-Tunnels ein ausgedünntes Zugangebot. Weht am Ende der immer weiter hinausgeschobenen Fertigstellung sogar nur ein Luftzug aus dem Milliardengrab? Das, worüber heute berichtet wird, bedeutet im Klartext: Der sächsische Wirtschafts- und Verkehrsminister Sven Morlok denkt ernsthaft darüber nach, die aktuelle finanzielle Förderung des Nahverkehrs zusammenzustreichen, um Geld für den City-Tunnel in Leipzig rauszuquetschen, auf dass am Ende das Geld nicht ausreicht, um ordentliche Leistungen auf der Tunnelstrecke anzubieten. Die fetten Rechnungen der Baukonzerne werden bezahlt, für die Eisenbahn-Verkehrsunternehmen bleibt nur das tägliche Klimpergeld. Die Tour auf der Geisterbahn des Ministers weckt ernsthafte Zweifel an der politischen und fachlichen Kompetenz des Ressortchefs.
Dieser Steigerung des Absurden wird sich DIE LINKE auf allen parlamentarischen Ebenen energisch widersetzen. Zu fragen ist schließlich auch, ob Minister Morlok, der sich als Gallionsfigur der Leipziger FDP versteht, den Interessen dieses Oberzentrums mit einer halben Million Einwohnern dient oder ihm schweren Schaden zufügt.
Die heutige Zeitungsmeldung über Morloks Bahn-Schleuderkurs ist nichts anderes als eine vorauseilende Bankrotterklärung in Erwartung von Problemlagen. Wie anders ist es zu erklären, dass der Minister in Kenntnis der ab 2014 ohnehin kommenden Kürzung der Regionalisierungsmittel für den ÖPNV bereits heute signalisiert, dass Sachsen über das drohende Ausmaß hinaus finanziell kürzen könnte? Hat der oberliberale Heilsverkünder überhaupt noch eine Ahnung wie viele Schüler, Studenten, Pendler, Ältere und sozial Schwächere in Sachsen dringend auf vielfältige, gut funktionierende und bezahlbare Angebote im öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind? Wer dort spart, wo der Mobilitätsbedarf einer modernen Gesellschaft bedient wird, schadet den Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, über die am ministeriellen Rednerpult so gern schwadroniert wird. Wirtschaft und Verkehr siedeln in Sachsen aus gutem Grund unter dem Dach eines Ministeriums. Darüber sollte der Minister mal nachdenken. Vielleicht auf einer Zugfahrt und eventuell im City-Tunnel.