Zurück zur Startseite
Dr. Dietmar Pellmann, MdL
2. Juli 2010 Dr. Dietmar Pellmann, MdL

Boden soll im Besitz derer bleiben, die ihn bearbeiten – zum Tag der Genossenschaften

Anlässlich des Tages der Genossenschaften am 3. Juli und in Reaktion auf die heutige Meldung des Statistischen Landesamtes erklärt der stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag und frühere Agrarhistoriker Dr. Dietmar Pellmann:

Der Tag der Genossenschaften sollte Anlass sein, die Leistungen der 200 sächsischen landwirtschaftlichen Genossenschaften zu würdigen. Die Mitglieder und Beschäftigten dieser Landwirtschaftsbetriebe setzen bewusst die mehr als 150-jährigen Traditionen des Genossenschaftswesens, die mit Hermann Schulze-Delitzsch einen ihrer Ausgangspunkte in Sachsen hatten, bewusst fort. Zugleich haben sie vor nunmehr 20 Jahren völlig freiwillig für sich entschieden, den in der DDR beschrittenen Weg unter den neuen gesellschaftlichen Verhältnissen, nämlich denen der Marktwirtschaft, fortzusetzen. Sie sind damit ein Beleg dafür, dass das Genossenschaftswesen auch bei unterschiedlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Bestand und Perspektive hat.

Dies sei denen ins Stammbuch geschrieben, die das Kapitel der landwirtschaftlichen Genossenschaften nach dem Umbruch 1989 für beendet erklärten und bis heute nichts unversucht lassen, den Genossenschaftsgedanken zu diskreditieren. Die sächsischen  Genossenschaften beweisen täglich ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Eigentumsformen, obwohl die meisten von ihnen mit so genannten Altschulden zu kämpfen hatten und haben. Deshalb waren die meisten von ihnen bislang nicht in der Lage, das von ihnen bestellte Pachtland zu erwerben. Da die meisten dieser Pachtverträge nach einer Laufzeit von 25 Jahren auslaufen, droht die Gefahr der Veräußerung an zahlungskräftigere Interessenten und damit das Aus für manche genossenschaftliche Unternehmen.  Das muss im Interesse der Mitglieder und Beschäftigten sowie einer stabilen Eigenversorgung der sächsischen Bevölkerung mit  landwirtschaftlichen Produkten unbedingt verhindert werden.

An die sächsische Staatsregierung ergeht daher unsere dringende Forderung, sich dafür einzusetzen, dass die Genossenschaften eine sichere Perspektive haben und der Boden im Besitz derer bleiben soll, die ihn bearbeiten.